Biogas Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

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10.02.17

Hochleistungsdächer und „Traubenzucker für die Mikroben“ - Neue Konzepte zur flexiblen Biogasbereitstellung in der Erforschung

In gleich zwei Ende 2016 gestarteten Projekten wollen Forscher neue Konzepte für eine flexible Biogaserzeugung bzw. – nutzung entwickeln.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) setzt mit drei Partnern im Projekt „Textile Biogasspeicher“ bei der Fermenterabdeckung an. Diese besteht bei Biogasanlagen aus einem textilen Kunststoffgewebe, das je nach Fermentergröße bis zu 10.000 Kubikmeter Biogas aufnehmen kann und das charakteristische, gewölbte Kuppeldach ausbildet. Die Forscher wollen die Kapazität dieser textilen Speicher um den Faktor 3 steigern und erproben dazu neue Material- und Strukturkonzepte. Durch die Erhöhung der Speicherkapazität kann eine bedarfsgerechte Strom- und Wärmebereistellung realisiert werden, ohne dass in den Gaserzeugungsprozess selbst regelnd eingegriffen werden muss. Aufgrund der angestrebten Dimensionen sind neben einer Versuchsanlage auch Modellversuche im Windkanal geplant, um das Verhalten der Dächer bei Wind- und Schneebelastung zu untersuchen. Mit Hilfe der gewonnenen Daten will das Projektteam u. a. ein Softwaretool zur betriebssicheren und langlebigen Auslegung von Dachkonstruktionen entwickeln.
Textile Gasspeichersysteme stellen aufgrund ihrer geringen Anschaffungs- und Unterhaltungskosten eine ökonomisch attraktive Möglichkeit zur Gasspeicherung dar.

Forscher der Universitäten Ulm und Göttingen verfolgen im Projekt „Flexizucker“ den Ansatz, die Biogaserzeugung durch eine Beschickung mit besonderen Substraten zu steuern. Ähnlich wie bei einem Sportler, der bei hohem Leistungsbedarf Traubenzucker isst, soll die gezielte Zufütterung von schnell umsetzbarer Zuckerrübensilage Leistungspeaks der Biogasanlage ermöglichen. Dabei ist die temporäre Erhöhung der Biogasproduktion über die Fütterung diffizil, denn die biologischen Prozesse in den Fermentern sind relativ träge und vor allem empfindlich. Die Forscher wollen das Potential der diskontinuierlichen Biogasproduktion bei gleichzeitiger Prozessstabilität ausloten und führen dazu Gärtests und mikrobiologische Untersuchungen durch.
Gelingt die Entwicklung eines praxistauglichen Fütterungskonzeptes, lässt sich die Flexibilität auch ohne weitere bauliche Maßnahmen erhöhen. Besonders ältere Biogasanlagen könnten davon profitieren und ohne große Investitionen in den Flexbetrieb übergehen.

Beide Ansätze tragen somit zu potenziell überschaubaren Kosten zur Flexibilisierung der Biogasbereitstellung bei und helfen dabei, die erneuerbare Stromerzeugung zu stabilisieren.

Die Vorhaben werden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Informationen finden sich in der Projektdatenbank auf fnr.de unter folgenden Förderkennzeichen:
Textile Biogasspeicher: 22403315, 22400816, 22400916, 22401016
Flexizucker: 22402115, 22401616

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Stev Austinat
Tel.: +49 3843 6930-206
Mail: s.austinat(bei)fnr.de

News 2017-06

Biogasanlage mit textilem Gasspeicher. Foto: FNR/D. Hagenguth
Biogasanlage mit textilem Gasspeicher. Foto: FNR/D. Hagenguth
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