Biogas Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Bedarfsgerechte Stromerzeugung

Direktvermarktung

Mit der Novellierung des EEG 2012 eröffnete der Gesetzgeber für Biogasanlagen die Möglichkeit, in die bedarfsgerechte Stromproduktion einzusteigen. Diese Option schloss auch alle Bestandsanlagen mit Inbetriebnahmedatum bis 2011 ein. Mit der Teilnahme an der Direktvermarktung kann der erzeugte Strom im Gegensatz zur klassischen Einspeisevergütung nach EEG z. B. über die Strombörse oder bilateral an Großabnehmer vermarktet werden. Der Stromverkauf erfolgt mithilfe von Vermarktern oder Poolbildnern, in der Regel Stromhändler oder Genossenschaften.

Vor dem Einstieg in die Direktvermarktung sollten die möglichen Auswirkungen auf die gesetzlichen Vorgaben (wie z. B. Bau- bzw. BImSch-Genehmigung der Biogasanlage), bestehende Verträge oder Wärmekonzepte sowie die vorhanden Risiken (z.B. Zahlungsausfall des Vermarkters) generell bekannt sein oder abgeschätzt werden.

Im aktuellen EEG 2014 wird die Direktvermarktung, wenn auch in etwas angepasster Form, fortgeführt. Die hier geänderten Regelungen sind für alle teilnehmenden Neu- und auch Bestandsanlagen geltend. Um an der Direktvermarktung teilzunehmen, müssen alle Anlagen über 100 kWel fernsteuerbar sein. Bestandsanlagen, die den Strom direkt vermarkten möchten, haben diese Voraussetzung bis zum 01.04.2015 herzustellen.

Quelle: Biogas Forum Bayern

Direktvermarktung mit dem Marktprämienmodell

Im Rahmen der Direktvermarktung von Biogasstrom gilt das Marktprämienmodell als erster Schritt hin zur bedarfsorientierten flexiblen Stromerzeugung. Der Anlagenbetreiber kann in der Direktvermarktung bei überschaubarem Risiko erste Erfahrungen sammeln, ohne dass die Fahrweise und auch die Technik der Anlage wesentlich geändert werden muss. In diesem Modell erhält der Betreiber die beschriebene  Marktprämie vom Stromnetzbetreiber. Diese Prämie gleicht die Differenz zwischen dem im freien Verkauf an der Strombörse erzielten Preis (Monatsmittelwert) und der anlagenspezifischen EEG-Einspeisevergütung (anzulegender Wert) aus.  Ab 2014 sind alle Anlagen > 750 kWel verpflichtet, an der Direktvermarktung teilzunehmen. Diese Festlegung betrifft ab 2015 alle Neuanlagen > 500 kWel und ab 2016 alle Anlagen > 100 kWel.

Anlagenbetreiber haben jedoch auch weiterhin eine Wahlfreiheit und können monatlich zwischen den Veräußerungsformen Einspeisevergütung und Direktvermarktung wechseln.

Als zusätzlichen Anreiz erhalten Bestandsanlagen, die im Rahmen des EEG 2012 in die Direktvermarktung eingestiegen sind, eine Managementprämie. Die Höhe der Managementprämie, die die zusätzlichen Aufwendungen für die Stromvermarktung abdecken soll, betrug 0,25 ct/kWh für Anlagen, die vor dem 1. August 2014 den Strom direkt vermarkteten, und wird ab 2015 auf 0,225 ct/kWh abgesenkt. Bei Neuanlagen, die seit dem 1.8.2014 in Betrieb gehen, ist die Managementprämie im anzulegenden Wert eingepreist.

Durch die geschickte Vermarktung des Stroms am Strom- und am Regelleistungsmarkt können Mehrerlöse gegenüber der klassischen Einspeisevergütung erzielt werden.

Regelenergie

Die nächste Stufe zur bedarfsgerechten Stromerzeugung ist die Teilnahme am Regelenergiemarkt. Hierbei erhöhen sich die Möglichkeiten, Erlöse zu erzielen, verbunden allerdings auch mit gesteigerten Anforderungen.

Auf dem Regelenergiemarkt werden kurzfristige Schwankungen zwischen Stromangebot und –nachfrage ausgeglichen. Diese Schwankungen werden durch Abweichungen der Prognose von Verbrauch und Erzeugung verursacht. Die Stromnetzbetreiber schreiben die Regelenergie entsprechend dem prognostizierten Bedarf aus. Unterschieden wird hierbei zwischen Primär- und Sekundärregelleistung (PRL und SRL) sowie  Minutenreserveleistung (MRL). Prinzipiell können Biogasanlagen an allen diesen genannten Märkten teilnehmen, wobei die beiden letztgenannten Märkte derzeit bedient werden. Es gibt erste erfolgreiche Bemühungen, auch PRL bereitzustellen. Voraussetzung sind in jedem Fall entsprechende Motoren- und Gasspeicherkapazitäten. Aufgrund des erforderlichen Leistungsangebots zur Teilnahme am Regelenergiemarkt (5,0 bzw. 10,0 MW) ist für Biogasanlagen der Zusammenschluss zu virtuellen Kraftwerken erforderlich.

Bedarfsgerechte Stromproduktion

Das angestrebte Ziel der gesetzgeberischen Maßnahmen ist die bedarfsorientierte Stromproduktion. Hierbei wird der Strom genau dann produziert, wenn die Nachfrage und der Preis hoch sind (z.B. morgens) und bei nachlassender Nachfrage (z.B. nachts oder bei hohen PV-Strommengen im Netz) wird die Stromproduktion gedrosselt. Für diese nachfrageorientierte Fahrweise der Biogasanlage sind ein Mindestmaß an Flexibilität und ein entsprechender Fahrplan erforderlich. An- und Abschaltung der BHKW erfolgen in diesem Modell i.d.R. durch Fernzugriff einer Leitwarte. Neben den  technischen Voraussetzungen der Fernsteuerbarkeit sind zusätzliche Motoren- und Speicherkapazitäten zu installieren. Zur Förderung des Ausbaus dieser Entwicklung wird eine Flexibilitätsprämie bzw. für Anlagen nach EEG 2014 ein Flexibilitätszuschlag gewährt.

Die Flexibilitätsprämie nach EEG 2012 wird jährlich berechnet und für die Dauer von zehn Jahren gezahlt. Eine Meldung bei der Bundesnetzagentur und beim Netzbetreiber ist erforderlich. Die Höhe der Flexibilitätsprämie ist abhängig von der jährlichen Betriebsweise. Sie beträgt 130 € je kW flexibel bereitgestellter zusätzlich installierter Leistung und Jahr.

Die Erhöhung der flexiblen Anlagenleistung von Bestandsanlagen ist bis 1.350 MW zusätzlich installierte Leistung möglich. Diese Zusatzleistung wird beginnend ab dem 1.8.2014 bundesweit von der Bundesnetzagentur im Anlagenregister registriert und addiert.

Neuanlagen nach dem EEG 2014 erhalten davon abweichend einen Flexibilitätszuschlag (Kapazitätszuschlag) in Höhe von 40 €/kW installierter Leistung für die Dauer von 20 Jahren. Die Anlage darf allerdings nur 50 % der installierten Leistung im Jahresverlauf auslasten. Eine höhere Auslastung wird nicht mehr vergütet.

Bei geplanter Teilnahme am Regelenergiemarkt oder der bedarfsgerechten Stromproduktion ist es empfehlenswert, rechtzeitig entsprechende Abstimmungen mit dem Vermarkter vorzunehmen. Die flexibel betriebene Stromerzeugung mittels Biogas erhöht die gesicherte Leistung und trägt zur Integration von fluktuierenden erneuerbaren Erzeugern im Energiesystem bei.

Quelle: Fraunhofer IWES/ U. Holzhammer

Weitere Informationen zur Direktvermarktung, zum Strommarkt und zu Möglichkeiten für Anlagenbetreiber finden Sie unter folgenden Adressen:

Hier finden Sie einen kurzen Einführungsfilm zum Thema Regelenergie. Der Film wurde im Auftrag der Firma Agrikomp GmbH auf Basis einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES erstellt.

 

 

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